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Ortheseninnovationen aus dem Labor

Im kleinen Bremervörde, nördlich von Rotenburg (Wümme) in Niedersachen gelegen, entstehen fortschrittliche Orthesen aus Flugzeugtechnik. Die Strehl GmbH & Co. KG entwickelt orthopädietechnische Lösungen für Kinder, bei denen auch ungewöhnliche Materialien zum Einsatz kommen, wie Carbon-Bestandteile aus der Flugzeugproduktion: “Davon profitieren sowohl die Kinder als auch unsere Umwelt“, so Björn Strehl, Geschäftsführer des wachsenden Betriebs.

Für Kinder mit Einschränkungen sind Sitz-, Geh- und Stehorthesen unverzichtbar, um sich überall frei durch die Welt bewegen zu können. Bei Strehl forscht und experimentiert dafür ein großer Teil der 40 Mitarbeiter an Ideen, um diesen Kindern die Fortbewegung zu erleichtern. Der Bremervörder Hersteller spezialisiert sich seit über 20 Jahren auf die Entwicklung von Verbesserungen in der Reha- und Orthopädietechnik. Björn Strehl gründete die Firma, nachdem er selber als Kind nach einer Operation befürchten musste, seinen Fuß zu verlieren und mit einer Prothese zu leben: „Durch die persönliche Erfahrung wusste ich: da will ich arbeiten!“

Für den 48-jährigen hat die Forschung an neuen Materialien und Fertigungsmethoden oberste Priorität. Im neuen Firmenzweig Strehl LAB wird intensiv an den verschiedensten Projekten gearbeitet. „Unser derzeitiger Fokus liegt auf der Entwicklung einer neuen Generation von Sitzorthesen“, so Strehl. Es gäbe hier immer noch Verbesserungsbedarf, um die Sitzorthesen an die individuelle Ergonomie der kleinen Rollstuhlfahrer anzupassen. Auch 3-D-Drucker werden seit kurzer Zeit getestet, um diese zu verbessern. Die Digitalisierung hat also auch die Orthopädietechnik erreicht.

Eine Innovation aus dem eigenen Hause, von der Björn Strehl stolz berichtet, ist die Vakuumtiefziehanlage. Dahinter verbirgt sich eine Maschine, die von vorab in einem Simulator erstellten Abdrücken passgenaue Sitzschalen erstellt. Die Vorteile diese selbst erarbeiteten Methode liegen für die Entwickler auf der Hand: „Der Prozess der Anpassung wird für die Kinder angenehmer, die Passform verbessert.“ Die Motivation hierfür erfolgte aus dem Wunsch, Kindern mit Behinderungen keine Schmerzen während des Abdrucks zu bereiten.

Seit neustem arbeitet Strehl außerdem in der Entwicklung mit Airbus zusammen. Diese liefern dem Orthopädietechniker Carbon-Verschnittreste aus der Fertigung des A380, welche in die Produktion eingearbeitet werden. Das Material hat den Vorteil, besonders langlebig und leicht zu sein. Die Weiterverwendung durch Strehl ermöglicht eine bessere Nutzung der wertvollen Ressource, die ansonsten aufwändig recycelt werden muss. Strehl gibt sich selbstkritisch: „Generell werkeln wir an der ‚grünen’ Herstellung, beispielsweise möchten wir mehr Bio-Kunststoffe in der Produktion verwenden“. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Kinder lassen sich von der Flugzeugtechnik am Bein begeistern. Ein schönes Bild: Mithilfe von Flugzeugen Kindern ein Stück weit Flügel zu verleihen.

Der Einsatz für Kinder geschieht bei Strehl aus Überzeugung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen in engem Kontakt mit den Familien und unterstützen diese, ihre Kinder bestmöglich zu versorgen und Bewegungsfreiheit zu ermöglichen. „Der Job ist sehr dankbar“, sagt Björn Strehl nachdenklich. „Das ist auch der Grund, warum ich die Entwicklung immer weiter vorantreiben will.“ Der Erfolg gibt ihm Recht – der Hersteller hat nach einigen Krisen inzwischen 23% Wachstum in den Jahren 2013 und 2015 zu verzeichnen. Grund dafür ist eine Innovationsfreudigkeit, die sich in dem 20.000 Einwohnernest Bremervörde wohl nicht so häufig finden lässt.

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